"Unsere Sprache dekolonisieren" - 1/26
In diesem Beitrag wollen wir die kontrastierenden, gegensätzlichen Formen der Sprache als Beispiel einer Auseinandersetzung mit dem Vergleich einer "dominanten, westlichen Weltsicht" - wo "Worte als Mittel der Täuschung" verwendet werden und einer ursprünglich-Indigenen Weltsicht" - wo "das Wort als heilig" galt/gilt - gegenüberstellen (in Anwendung des sog. "The Worldview literacy Project").
"Worte als Mittel der Selbst- und Fremdtäuschung" - dominante, westliche Weltsicht
Die Entwicklung einer dominanten, westlichen, eurozentrischen Weltsicht hat sich mit den ersten vor ca. 5000 Jahren sich herausbildenden Zivilisationen (Griechen, Römer etc.) nach und nach entfaltet und wurde dann bereits in einer fortgeschrittenen, meist zerstörerischen Form im Kolonialismus - von der Landung von Kolumbus in den Amerika's 1492 an - auf die Indigenen Kulturen weltweit übertragen. Von Four Arrows / Don Trent Jakobs, einem emeritierten Professor, US-amerikanischen Halbblut-Indigenen und einzigartigen Kenner der Indigenen Geschichte der Amerika's und Co-Autor des Buches "Indigenous Sustainable Wisdom" (2) stammt das folgende Zitat aus der Sicht der Indigenen (sinngemäss übersetzt):
"Dann kamen die Kolonisatoren und Eroberer, welche schon lange den ursprünglichen Weg in der Welt zu sein verlassen hatten. Mit ihren strategischen Lügen, von Hauptwörtern dominierten Sprache und ihrer "teile-und-erobere" Stategien verlohr die Kommunikation der kolonisierten und unterdrückten Völker unter sich viel von ihrer Heiligkeit ..."
In der Zeit, in der wir jetzt gerade leben hat eine neue Qualität vermehrt in unseren Alltag Einzug gehalten – diejenige der sog. „Fakes“ oder „alternativen Wahrheiten“, die letztendlich keine sind. Es scheint zu der menschlichen Entwicklung oder fortschreitenden Degeneration – je nachdem wie wir es betrachten – speziell innerhalb des in der Moderne und Post-Moderne charakteristischen Anthropozän zu gehören, dass die Lüge, die Verzerrung und absichtliche Falschdarstellung von Gegebenheiten zu einer öffentlichen, medialen Normalität geworden ist. Die Rede des US-Amerikanischen Präsidenten Donald Trump Mitte Januar 2026 am World Economic Forum in Davos muss uns als aktuelles und krasses Beispiel dafür gelten und mutet uns an, als ob wir in einem Science-Fiction- , einem Fantasy-Film oder in einer derben post-modernen Komik- oder Satireveranstaltung sässen.
"Das Wort ist heilig und Wahrhaftigkeit ist essentiell" - ursprünglich-Indigene Weltsicht
Demgegenüber gibt es sehr überzeugende, moderne, wie auch uralte, Indigene Argumentationen und Lebensweisen.
Einer der brilliantesten Kritiker dieser gerade beschriebenen, heutigen, beunruhigenden Zustände ist Prof. Mattias Desmet, der die heutige dominante, westliche Weltsicht speziell auch in einer totalitären Entwicklung erkennt. Er schreibt in seinem sehr lesenswerten, englischen, die Sprache dekolonisierenden Beitrag "Propaganda, Sincere Speech, and the Intuition of the Samurai" auf Substack u.a. (sinngemäss durch mich übersetzt):
„Wahrheit ist das einzige Heilmittel für eine Gesellschaft, die krank ist von den alltäglichen Lügen. Sie verbindet Menschen intuitiv von Seele zu Seele und ist die richtige Kur gegen Einsamkeit und dem Gefühl des Abgetrennt-Seins, welche die modernen Menschen so anfällig für Propaganda (und Manipulation) machen. Der einzige Weg, um sich an der Lösung der grossen Krise unserer Gesellschaft ( siehe auch sein Buch "Die Psychologie des Totalitarismus" ) zu beteiligen, ist sich diesem gemeinsamen, gesellschaftlichen Schattenaspekt mutig zuzuwenden, unsere eigenen, individuellen Krisen und Traumata zu überwinden und damit unser eigenes Ego durch die Anwendung und Praxis von ehrlicher und wahrhaftiger Sprache zu überwinden."
"Bleiben Sie also nicht still, bleiben Sie der ehtischen Pflicht treu als Mensch (die Wahrheit) zu sprechen, in einer Zeit in der die Gesellschaft (im Mainstream) blind einem Diskurs folgt, der in den Ruin führt. Sprechen Sie ruhig, kontinuierlich, versuchen Sie nicht zu stark zu überzeugen, drücken Sie sich mehr als Zeuge eines Prozesses aus. Sprechen Sie mehr aus ihrem Bauch, als aus ihrem Kopf !"
Prof. Mattias Desmet
Four Arrows / Don Trent Jakobs (Prof. em.)
Als zweiter Input, der uns - in der Betrachtungsweise, dass wir ja alle ursprünglich Indigene sind - mit unserer Urgeschichte als Menschheit und den heute noch lebenden, dekolonisierten Indigenen dieser Welt verbindet, kommt wiederum von Four Arrows / Don Trent Jakobs (2) (sinngemäss übersetzt):
"In der Tat, was die Wahrheit und Aufrichtigkeit so ausserordentlich wichtig macht im Leben der Indigenen Kulturen ist ihre Ausrichtung auf eine beziehungsmässige, gegenseitige Verbindung (zu allem Lebenden und dem Planeten Erde). Die Wahrheit ist im Indigenen Denken ein erlebter, integrierter Bestandteil einer universellen und erlebten Schwingungsfrequenz. Alle Kommunikation gilt als heilig und als Ausdruck eines höchsten Potenzials von Leben in Harmonie. Wir werden alle durch unsere Gedanken, Worte, Gesänge, Tänze und unsere Kunst erschaffen und co-kreiert und nicht nur davon beeinflusst. Wahrheit bedeutet für sie darum beides: Überleben und Verbundenheit. Es gibt keine Trennung zwischen Menschen und anderen Formen des Lebens."
"Von einem Indigenen Perspektive gesehen verlangt das Streben nach Wahrheit nach einem kreisförmigen Weg, welcher vorerst mit der Ernsthaftigkeit des Geistes und einem damit verbundenen, entschiedenen Mut zu einem furchtlosen Handeln führt. Auf eine solche Handlung folgt dann die authentische Reflexion darüber, welche zu Wahrhaftigkeit und einem dabei hervorgerufenen Gefühl der Liebe zum Leben führt, die schliesslich dann wieder zur Ernsthaftigkeit zurückkehrt."
So sind wir alle aufgerufen innerhalb einer Ganzheitlichen Weltsicht unsere Sprache wieder bewusster, aufrichtiger und klarer zu verwenden und damit eigentlich zurückzukehren zu einer Authentizität und Wahrhaftigkeit in unserem Denken, Sprechen und Handeln.
Wer sich noch weiter mit den Grundlagen einer Ganzheitlichen Weltsicht beschäftigen möchte, kann sich auch noch die zugehörige Seite dieser Webseite anschauen. Wir werden diese Hauptthematik - auch in anderen Aspekten - in den folgenden Newsletters immer wieder aufgreifen.
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Quellen:
1) The worldview literacy Project ("Das Projekt für das Erlernen und Erforschen einer neuen, ganzheitlichen, verwandtschaftlichen Weltsicht" ) - https://worldviewliteracy.org/
2) Buch "Indigenous Sustainable Wisdom"; Narvaez, Darcia / Four Arrows (Jacobs, Don Trent) / Halton, Eugene / Collier, Brian S / Enderle, Georges