Themenkreis: dynamisches Gleichgewicht - in der zweiten Lebenshälfte

"Ebenen eines bewussten Alt&Weise-Werdens (Elderhood)

Um dem Elderhood- bzw. Alt&Weise-Thema zu begegnen, kann es hilfreich sein - wie in meinem Buch
"Elderhood - neue, faszinierende Perspektiven beim Alt&Weise-Werden" ausgeführt und empfohlen - 
auf drei Ebenen kontinuierlich und achtsam aktiv zu werden:


Die  äussere Ebene

Gemäss der ganzheitlichen Philosophie, Lebens- und Sichtweise, die ich in meinen bisherigen Büchern auch im Bezug auf die ganzheitliche Medizin zum Ausdruck gebracht habe, leben bzw. wohnen wir Menschen als spirituelle Wesen in einem „Körperhaus“. Dieses Körperhaus hat die folgenden Ebenen:

  • die körperlich-strukturelle Ebene (äussere Ebene) – Skelett, Bewegungsapparat
  • die körperlich-vegetative Ebene unseres autonomen Nervensystems (äussere Ebene)
  • die energetische, emotionale, psychische Ebene (innere Ebene)
  • die informative, mentale, kognitiv-psychische Ebene des Verstandes (innere Ebene)


Die äussere Ebene der Arbeit mit und an uns besteht darin, sich in der zweiten Lebenshälfte in der normalen, äusseren Welt speziell auch mit einem in die Jahre gekommenen  Körperhaus (in dem wir als spirituelle Wesen wohnen) gut zurechtzufinden, es angemessen "in Schuss zu halten" und für es als unsere „Behausung“ Sorge zu tragen. Dabei geht es darum, für uns als Individuen, aber auch als Kollektiv von bewusst lebenden Menschen, von werdenden Elders bzw. Alten&Weisen Bedingungen zu schaffen, in denen wir achtsame Selbstfürsorge praktizieren; dies tun wir dadurch, dass wir unser Körperhaus gut pflegen – durch gute und gesunde Nahrung, durch Pflege des Körpers, durch Zähneputzen, durch regelmässige angepasste Bewegung, durch regelmässige Aufenthalte in der ursprünglichen, ungestörten Natur und durch eine bewusste Wahrnehmung des ganzen Körpers etc. 
Dazu gehören auch die Bereiche, wo wir Hilfe und Unterstützung annehmen: Pflege, Therapien, wie z. B. Physiotherapie, Ergotherapie, ärztliche, schul- oder integrativ- medizinische Behandlungen und Begleitungen im Bereich von Grundleiden, und wo wir Medikamente zur Unterstützung einnehmen usw.


Die Innere Ebene

Auf der inneren Ebene können wir sagen, dass wir - als eine der grossen Aufgaben in der zweiten Lebenshälfte - zu einem grossen Anteil unser Leben, unsere Erfahrungen und Erlebnisse beginnen aufzuräumen und gefühlsmässige, geistige und energetische Ungleichgewichte, die in unserem Inneren, in unserem aktuellen und bisherigen Leben entstanden sind, auszugleichen und einzuordnen. In diesem Sinn möchten wir innen, auf der gefühlsmässigen und geistigen Ebene Verhärtungen, Verletzungen, eingeschlossene Emotionen und Glaubenssätze, Gedankenmuster, die in der ersten Lebenshälfte und im Laufe unseres Lebens entstanden sind und unserem Körperhaus bzw. unserer Gesundheit schaden, erkennen und dabei anerkennen, dass etliche von ihnen Zuwendung brauchen und erlöst werden wollen - auch damit wir unsere Aufgaben als werdende Elders in der Gesellschaft (MentorInnen, HeilerInnen, Anleitende etc.) möglichst vollumfänglich übernehmen können.
Dafür können wir auch das in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zugänglich gewordene, breite Feld von psychotherapeutischen und energetischen Anwendungen aus vielen Kulturräumen dieser Welt nutzen.

Die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse von Ian McGilChrist – auf welche
im Blogbeitrag "Ver-rückte Hirnhälften - die Dekolonisierung unseres Hirns" eingegangen wird – sind im Kontext der Elderhood-Arbeit hilfreich, da sie auf deren Wichtigkeit bei den „die linke Hirnhälften-Dominanz durchbrechenden und ausgleichenden Übungen und Methoden“ hinweisen. Diese sind insbesondere die Domäne der Ebene der „inneren Arbeit“, die das Ziel hat, einerseits die rechte Hirnhälfte zu stärken und andererseits aber auch das dynamische Gleichgewicht und Wechselspiel von beiden Teilen des Hirns bewusst wiederherzustellen. So können wir gemäss dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse der Neurowissenschaften in Bezug auf die Funktionsweise der menschlichen Hirnhälften davon ausgehen, dass beispielsweise bei sog. Vergebungspraxen (Emotionalität, Empathie etc.) insbesondere die rechte Hirnhälfte stark aktiviert wird oder dass das Schreiben im Tagebuch eine Aktion ist, die beide Hirnhälften – linke Hirnhälfte mit Sprache, rechte Hirnhälfte mit Kontext herstellen – einbezieht.

Die Spirituelle Ebene

Zu einer bedeutungsvollen Elderhood-Arbeit, die für die „Vervollkommnung“ unseres Lebens als Alte&Weise und auch hinsichtlich unseres biologisch vorbestimmten Todes von entscheidender Bedeutung ist, gehört ebenfalls eine persönliche, stimmige Form einer Praxis auf der spirituellen Ebene.
Religion wird von vielen verbunden mit einer Institution, mit Regeln, mit religiösen Standardwerken, z. B. der Bibel, v. a. in äusserlichen Strukturen von menschlichen Gesellschaften erlebt; während Spiritualität etwas sehr Persönliches, Innerliches und Metaphysisches sein kann. Religion innerhalb einer gängigen Weisheitstradition – Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Indigene Formen etc. – ohne Spiritualität tendiert hin zu einer „leeren Hülse“, hat die Tendenz, Menschen zu manipulieren und für Machtansprüche zu missbrauchen, statt zu begleiten und anzuleiten. Spiritualität ohne äusserliche Struktur kann im Extremfall dazu führen, dass jemand „spirituelles Shopping – von allem ein bisschen“ betreibt, mit der Gefahr, in einer gewissen Oberflächlichkeit verloren zu gehen. Eine gelebte Spiritualität, eingeladen in die freie Unterstützung einer spirituellen oder religiösen Gemeinschaft bzw. Struktur, stellt für viele einen Idealfall dar.

Auf dieser Ebene geht es um spezifische, spirituelle Praxen, Gebete, Rituale, Meditation – darum, in seinem innersten, subtilsten Wesen Halt zu finden, zur Ruhe zu kommen und einen Zugang zu Formen von Weisheit zu finden. Diese Auseinandersetzung mit unserer Vervollkommnung ist einerseits für unsere wichtigen Aufgaben als werdende Elders in der Mitte unserer Gesellschaften wichtig, aber auch hinsichtlich unseres bevorstehenden biologischen Todes – des Verlassens unseres Körperhauses – vor allergrösster Bedeutung.

Das Buch kann als Softcover-, Hardcover- und Ebook-Ausgabe
 über das Institut oder im Online-Handel, z.B. tredition, Amazon etc., 
bezogen werden.