Themenkreis: Dekolonisation
"Die Wiederherstellung einer natürlichen Erdung von uns Menschen"
In diesem Blogbeitrag geht es um eine ausführlichere Beschreibung und Erklärung zum Inhalt des 4. Leitsatzes der "Ganzheitliche Weltsicht" - mit Blickrichtung auf "Dekolonisierung" - der folgendermassen lautet:
„Ganz bewusste Wiederherstellung einer tiefen gegenseitigen, lebendigen und verwandtschaftlichen Verbundenheit und Achtung von uns Menschen gegenüber der Natur und allen Teilen des Planeten Erde“
Die Auseinandersetzung mit heutigen, Indigenen Projekten und Initiativen - die bereits in früheren Newslettern und Blogs vorgestellt wurden -, die sich mit einem "Indigenes Weltbild" beschäftigen, hat dazu geführt, dass ergänzend zu diesen ein Leitbild einer "Ganzheitliche Weltsicht" mit 20 Leitsätzen entstanden ist, welches Indigene, traditionelle und heutige, ganzheitliche Grundwerte enthält.
Am Anfang dieser Ausführungen zum 4. Leitsatz möchte ich aus dem Buch „Indigenous Sustainable Wisdom (Indigene nachhaltige Weisheit)“ ein sehr aussagekräftiges, sinngemäss aus dem Englischen übersetztes Zitat einbringen:
„Wenn aus den Kapiteln dieses Buches nur eine einzige Botschaft
entspringen könnte, dann diejenige, dass es um die Wiederherstellung
unserer Beziehung zur lebendigen Erde geht!“
Seit der tieferen Beschäftigung mit verschiedenen, dekolonisierenten, Indigenen Kulturen der letzten Jahre und einer ganzheitlichen Betrachtung der Menschheitsgeschichte seit ihrer Entstehung in den vergangenen Monaten, gibt es diese schmerzhafte, aber auch erklärende Erkenntnis im Ganzheitlichen Institut, dass sich die Abtrennung der westlichen Kulturen von der Natur , die zum grössten Teil in der Antike mit der Begründung der ersten sog. Zivilisationen in Europa (Griechenland, Römisches Reich) vor ca. 5000 Jahren - mit samt all ihren nützlichen und erfreulichen Aspekten - vollzogen hat, sich heute als eine der verhängnisvollsten und folgenschwersten Entwicklungen im Anthropozän erweist. Dies vor allem auch darum, weil sich diese, auf ihre zerstörerische "Kehrseite" bezogene, westlichen Kultur mittlerweile als eine dominante Weltsicht fast weltweit etabliert hat.
Dieser Prozess hat, wie wir alle wissen, auch zur sog. "Unterwerfung der Natur" (christlich - "sich die Natur zum Untertan machen") - sprich: zur Ausbeutung und Zerstörung der Natur - des Menschen in der verzerrten Rolle "der Krone der Schöpfung" und zur Entwicklung einer, sich daraus entwickelnden - von der Natur und dem Planeten Erde - sinnbildlich abgehobenen, invasiven Auslegung von Religion, Wissenschaft und Technologie geführt; obwohl schon längst die problematischen und den Planeten bedrohenden Züge davon sicht- und spürbar sind, geht diese Entwicklung eigendynamisch weiter - wie in einem Schwungrad, das, einmal angetrieben, kaum mehr zu bremsen ist ...
Ja, und es gibt sie, die Gegenbewegung, die ökologischen, sich-der-Natur-rückverbindenden NGO-Projekte (z.B. Rewilding Europe) und Ansätze in der modernen Wissenschaft (z.B. Restore), Politik und Rechtsprechung (Flüsse, wie z.B. der Amazonas in Kolumbien wurden in den letzten Jahren als juristische Personen anerkannt), die jedoch viel zu oft in der nationalen und internationalen Politik übergangen werden oder in der öffentlichen Hand aus Kostengründen wegfallen.
Bei dieser Rück-Verbindung und -Besinnung spielen gerade auch Indigene Formen der Weltsicht, die der Kolonisierung getrotzt haben oder mit viel Aufwand heute auch an Universitäten wiederhergestellt bzw. dekolonisiert wurden und werden, eine wichtige Rolle - siehe als Beispiel auch das sog. Worldview Literacy Projekt. So ist es möglich, dass aus den früher (und heute ?) oft verachteten, sog. "primitiven Kulturen der Indianer" der Moderne und des Kolonialismus unsere Vorbilder und Wegbereiter zum Erhalt einer lebenswerten Welt - als heute Indigene bezeichnet -hervorgehen können; und erfahren so - neben staatlichen Versöhnungsinitiativen der ehemaligen Kolonialstaaten - die Wertschätzung, die ihnen seit Menschengedenken zusteht und werden zusätzlich durch die aufsehenerregenden Erkenntnisse der modernen Anthropologie und Archäologie bestätigt.
Hier möchte ich noch einmal ein sehr gut passendes, aus dem Englischen sinngemäss übersetztes Zitat aus den Schlussfolgerungen des eingangs genannten Buches erwähnen:
"Wir können das Gedankengut wieder aufnehmen, welches in der Weltsicht und den Kulturen der Indigenen ‚Jäger&Sammler‘ der Vergangenheit und derjenigen zu finden ist, die es geschafft haben, trotz allem an diesem bis heute festzuhalten. Ohne romantisierte Vorstellungen einer idealisierten Vergangenheit zu entwerfen, und mit der Absicht, das tiefe Verständnis, das uns für die allerlängste Zeit der Menschheitsgeschichte im Einklang mit diesem Planeten leben liess, zu bewahren, möchten wir unsere Wertschätzung für alle Lebewesen und alle Aspekte der Natur zum Ausdruck bringen und so alle zusammen in einer gewissen Radikalität in Richtung wahre Nachhaltigkeit vorankommen. Eine Rückkehr zu nachhaltiger Weisheit entwickelt sich dann, wenn wir achtsam und in Respekt mit unseren natürlichen Vernetzungen umgehen.“ ... !