Die Grundlagen der drei Schritte kennen lernen
Einführung in die Ganzheitliche Spiritualität*
Als Ausgangspunkt wollen wir die grundlegenden Aspekte einer Ganzheitlichen Spiritualität* und des zugehörigen Buches "Three Steps into Oneness" einmal von einer geistig-intellektuellen Seite her kennenlernen. Hierfür ist im Folgenden die theoretische Einführung in die Grundstruktur gedacht. Spätenstens wenn wir uns dann entschliessen uns vertieft mit diesem Thema zu beschäftigen und dazu das Buch zu lesen, dann werden wir gebeten uns zusätzlich auf eine meditative, mystische und experimentelle Sicht eines Erwachens als Mensch einzulassen, welche ausserhalb einer ausschliesslich geistigen bzw. intellektuellen Verständnisses liegt. Viele von uns hatten vielleicht schon das Glück, Zugang zu solchen, nicht-dualen Erlebnissen zu bekommen, auch wenn sie nur von kurzer Dauer waren. Die dahinter stehende Idee ist, dass eine meditative oder kontemplative Praxis uns einen verlässlicheren, nachhaltigeren und stabileren Zugang zu einem Zustand des Erwachens in unser volles, menschliches Potential geben - etwas völlig jenseits einer rein mentalen Vorstellung davon. Um bedeutungsvolle Antworten auf Fragen wie "Wer bin ich ?" oder "Was ist der Zweck meines Lebens ?" zu erhalten, müssen wir unseren Weg in beides finden: in die relative Welt in der wir leben und in die Absolute Welt, von welcher wir unsprünglich herkommen.
Der Grund
Die grundlegende, mystische Sicht ist:
es gibt zwei Ebenen oder Welten
die zusammen gehören, wie beim Vogel, der nur mit zwei Flügeln fliegen kann.
Das RELATIVE Das ABSOLUTE
die materielle Welt in der wir leben die immaterielle Welt in der wir leben
Spiritualität vervollkommnen
Wir sind heute aufgerufen unser Verständnis und unsere Einsicht in die spirituellen Traditionen dieser Welt zu vervollkommnen und zu vertiefen.
Dabei geht es einerseits darum, alte und moderne Einsichten in die Wahrheit und Weisheit der relativen Welt zu anerkennen, sie in unserem täglichen Leben umzusetzen und zu leben - die relative Weisheit. Andererseits wollen wir diese dann in Relation zu der zeitlosen Essenz des Absoluten setzen, wie sie von vielen alten Weisheitstraditionen (Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Indigene spirituelle Traditionen etc.) bereits umgesetzt wird.
Wir sind eingeladen, dieses "Update" an Hand von "Drei Schritten zum EINS-SEIN" in eine neue Sicht des spirituellen Erwachens umzusetzen, welche Indigene, traditionelle und moderne Weisheit umfasst !
Die zwei Dimensionen
Die horizontale Dimension - blaue Pfeile -
ist die ganz gewöhnliche, profane Welt in der wir leben, jedoch nur oberflächliche, häufig polare Muster (siehe Schritt 1 später) erkennen können. Auf der horizontalen Ebene leben wir unser Leben - wir schlafen, gehen arbeiten, wir essen, treiben Sport und putzen uns unsere Zähne etc.
Jedoch erfahren wir - auf diese Ebene limitiert - auch viel Leid, wie es z.B. durch die buddhistischen "Drei Geistesgiften" - Anhaftung/Gier, Abneigung/Hass und Verblendung/Ignoranz - fortlaufend erzeugt wird. Diese Dimension zeigt sich als die vier Himmelsrichtungen, die wir auf der Grafik als blaue Pfeile sehen.
Die vertikale Dimension - roter und weisser Pfeil
ist die spirituelle Dimension, in der zwei Hauptquellen von Wahrheit und Weisheit existieren - das Relative und das Absolute. Wenn wir diese vertikale Ebene erreichen, dann lernen wir durch die Erkenntnis und die Integration von Weisheit den Kreislauf der oben erwähnten "Drei Geistesgifte" zu durchbrechen und auszubalancieren. Der weisse Pfeil, der nach oben weist, zeigt uns die Verbindung zur absoluten oder göttlichen Weisheit , während dem der rote Pfeil, der nach unten weist, uns auf den Kontakt mit der Erde und der relativen Weisheit hinweist.
*** So haben wir auf der relativen Ebene beides - die horizontale Dimension, die die meisten Menschen als schlicht und einfach "die Welt" anerkennen, aber auch die relative Weisheit als Zugang zur vertikal-spirituellen Dimension.
Ganzheitliche Spiritualität* können wir in unserem Leben in drei Schritten erfahren:
Schritt 1:
Am Anfang geht es darum die sog. "einfachen Polaritäten" auf der relativen, horizontalen Ebene auszubalancieren und dabei
relative Weisheit
als Teil der vertikalen Ebene erkennen
Wenn wir beide polaren Qualitäten der horizontalen Ebene erfahren, z.B.
- Heiss <-> Kalt
- Dunkel <-> Hell
- Menschlich genutzte <-> unberührte Natur
- Traditionelle <-> moderne Spiritualität
- Männliche <-> weibliche Emazipation
- Alt-Werden <-> Elderhood
- etc.
... dann ist es für ein paar unter uns möglich, relative Wahrheit und Weisheit darin zu entdecken.
Ein gelebtes Beispiel dafür ist:
In der westlichen Welt gibt es immer mehr alte und immer weniger alte und weise Menschen ("Elders"), die der Gesellschaft ihre Weisheit zu Verfügung stellen können. Diese Entwicklung müssen wir ausgleichen, in dem wir uns an die Rolle der Elders in den indigenen Kulturen erinnern, diese heute neu und kraftvoll definieren und somit wieder viele ältere Menschen befähigen alt und weise zu werden. Unsere Kultur braucht dringend (wieder) mehr Leadership durch die Weisheit von Elders.
Schritt 2:
die sog. grosse Polarität ins Gleichgewicht bringen:
relative und absolute Weisheit
auf der vertikalen Ebene zusammenbringen
Beispiele für das Ausbalancieren der grossen Polarität sind:
- Tiefgründige Wissenschaft <-> mystische Erlebnisse
- Altruistisch-geschickte Methode <-> Raum der Weisheit
- Achtsamkeit <-> tiefe Meditationserfahrung
- Religiöse Rituale <-> mystischer Raum
- Den kombinierten Gebrauch der tibetisch-Buddhistischen Ritual-Gegenständen des Vajra (Methode) und der Glocke (Weisheit)
- etc.
Ein lebendiges Bespiel:
Die Anwendung von Achtsamkeits-Techniken im täglichen Leben - z.B. uns zu focussieren durch das Beobachten des Atems (MBSR) - ist einem Möglichkeit relative Weisheit zu erleben.
Bei der tiefen Meditationserfahrung überschreiten wir absichtlich den Bereich des Geistes und üben z.B. gleichzeitig den Atem, uns als Atmende und den Atmenprozess zu meditieren; dies kann zu Erlebnissen von absoluter Weisheit führen.
Wir können lernen beide Erfahrungen in einander übergehend zu praktizieren.
Schritt 3:
Wenn wir versuchen das unaussprechliche, für wenige von uns erfahrbare
EINS-SEIN (Oneness)
auszudrücken, dann geht es um die Meditation über einen stabilen Zustand der gleichzeitigen, vereinigten, relativen und Absoluten Weisheit jenseits aller Dimensionen.
Inspirationen hierzu:
- Die Verschmelzung der balancierten kleinen und grossen Polaritäten in einen unendlichen, ungeborenen und niemals endenden Raum
- Das Erleben von letztendlicher Einheit als langsames Fliessen
- Durch eine plötzlichen Moment der Erleuchtung gesegnet werden
- Ausgehend vom Grund können wir den Pfad beschreiten und so die Erfüllung (tibet. Buddhismus, Dzogchen) im EINS-SEIN erreichen
Beispiele von Mediationserfahrungen:
- Die Gleichzeitigkeit von Form und Formlosigkeit kontemplieren (Herzsutra, Buddhismus)
- Die Erfahrung von gleichzeitiger Ruhe und Bewegung bei der Kontemplation der Bewegung eines Pendels machen (Buch "Three Steps into Oneness)