Themenkreis: Gleichgewicht
"Spiritualität als grundlegende Qualität aller menschlichen Gesellschaften"
In diesem Blogbeitrag geht es um eine ausführlichere Beschreibung und Erklärung zum Inhalt des 3. Leitsatzes der "Ganzheitliche Weltsicht" - mit Blickrichtung auf "Gleichgewicht" - der folgendermassen lautet:
"Die spirituelle oder Absolute oder Göttliche Ebene oder Welt ist anerkannt, in alle menschlichen Kulturen in unterschiedlicher Form integriert und dadurch charakterisiert, dass auf ihr alle Polaritäten der relativen Welt in eine letztendliche Einheit (Oneness) in Absoluter Weisheit aufgehen - allen Menschen seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte ist es unter entsprechenden Voraussetzungen und Umständen möglich, diese Einheit, meist angeleitet durch erwachte Elders oder Alte&Weise, zu erleben."
Die Auseinandersetzung mit heutigen, Indigenen Projekten und Initiativen - die bereits in früheren Newslettern und Blogs vorgestellt wurden -, die sich mit einem "Indigenes Weltbild" beschäftigen, hat dazu geführt, dass ergänzend zu diesen ein Leitbild einer "Ganzheitliche Weltsicht" mit 20 Leitsätzen entstanden ist, welches Indigene, traditionelle und heutige, ganzheitliche Grundwerte enthält.
In diesem Leitsatz soll zum Ausdruck kommen, dass eine Ganzheitliche Weltsicht eine spirituelle, Göttliche oder Absolute Ebene oder Welt enthalten soll. Dabei ist offen, ob diese durch eine der bekannten Weisheitstraditionen - Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus oder Indigene, naturbezogene Traditionen etc. - innerhalb einer bestehenden Kultur oder ausserhalb davon oder ganz individuell praktiziert wird. Einerseits ist zu unterscheiden, ob es sich bei einer religiösen oder spirituellen Praxis um eine radikalisierte oder alle anderen ausschliessende Form handelt - welche dem Grundsatz des „Globalen Blühens (Global Florishing)“ widerspricht bzw. schadet - und darum ausgeschlossen wird. Andererseits sind diejenigen spirituellen, Göttlichen oder Absoluten Praxen für ein Ganzheitliches Weltbild ganz besonders geeignet, welche eine erfahrungsvermittelte, metaphysisch-mystische Tiefe enthalten, in der dann durch fortgesetzte Praxis eine letztendliche Einheit (Oneness) jenseits jeglicher Polaritäten erlebt werden kann. Bekannt dafür sind z.B. die jüdische Kabbalah oder Kedumah, Formen des Sufismus, christliche Mystik z.B. der Wüstenväter oder der sog. Vajrajana-Buddhismus z.B. Dzogchen etc. In meinem englisch-sprachigen Buch „Three Steps into Oneness (drei Schritte in die Einheit)“ wird nach der ausgiebigen Praxis des Lebens auf der alltäglichen, konventionellen Ebene und damit mit dem Ergründen von relativen Weisheit durch die Auseinandersetzung mit den sog.„kleinen Polaritäten (minor polarities)“ im Schritt eins - hell/dunkel, weiblich/männlich, Schmerz/Freude etc. - dann das Erleben der sog. „grossen Polarität (major polarity)“ als Begegnung der relativen mit der spirituellen, Absoluten, Göttlichen Welt im Schritt zwei möglich. Einzelnen von uns Menschen mag es dann schlussendlich vergönnt sein, ihr volles Potenzials als Menschen umzusetzen und den Schritt drei zu vollziehen, wo sie dann als Weise und spirituell Verwirklichte dauerhaft in der Vereinigung der relativen und der Absoluten Welt unter uns leben und wirken können - siehe auch dazu die Einführung in deutscher Sprache "Die drei Schritte" kennenlernen.
Durch die Auseinandersetzung mit und Anwendung von im ursprünglichen Sinn tantrischen (erfahrungsvermittelten), tibetisch-buddhistischen Praxen in den letzten Jahrzehnten - speziell mit denjenigen des sog. Dzogchen (Gyalwa Dzogchenpa) - und des Studiums von modernen Auslegungen des Sufismus (Idris Shah, Llewellyn Vaughan-Lee), des Kedumah (Zvi Ish-Shalom) der letzten Jahre - welche alle davon ausgehen, dass eine mysthische Form dieser spirituellen Lehren auch ausserhalb und zeitlos von ihren Weltreligionen existiert haben und existieren -, aber auch der ganzheitlichen Erforschung der Menschheitsgeschichte (neues Projekt im Institut), entstand die Erkenntnis, dass mystische Erfahrungen der Absoluten, Göttlichen Ebene zu allen Zeiten während der Menschheitsgeschichte möglich waren. Diese Erfahrungen werden, wenn überhaupt, in den menschlichen Kulturen unterschiedlich beschrieben oder schon von ganz früh weg in der Kunst (Höhlenmalereien etc.) dargestellt.
Mit den Jägern und Sammlern vor mehr als 2 Millionen Jahren beginnend - wie früher und heute traditionell lebende San im südlichen Afrika oder Aborigines in Australien - oft als gemeinsamer Trancetanz mit Trommelrhytmus, Gesang und Naturritualen gelebt und praktiziert werden und wurden sie meist durch Elders, Alte&Weise angeleitet; dabei ist und war es bereits damals möglich, die vollkommene, Absolute oder Göttliche Ebene zu erfahren (im Dzogchen = Buddhanatur, Dharmakaya). Diese Ansicht und Erfahrung steht v.a. im Widerspruch zu allen nicht vollständig dekoloniserten Weltreligionen, aber auch der integralen Philosophie von Ken Wilber („der sog. Wilber-Combs-Leiter“), denn sie berücksichtigt die Erkenntnis und Erfahrung, dass die menschliche Entwicklung abgesehen von „bottom-up“ oder von unten nach oben - herkömmlich, westliche und integrale Entwicklungsmodelle (z.B. Spiral Dynamics) - auch „top-down“ oder dem Menschen von oben nach unten, also von der spirituellen, Göttlichen oder Absoluten Ebene her direkt und vollkommen (gem. Dzogchen) empfangen, praktiziert und in sein Leben integriert werden kann und soll - von einzelnen oder mehreren Menschen oder Gruppen.
All diejenigen unter uns, die sich mit diesen Erkenntnissen vertieft auseinandersetzen möchten, sind herzlich eingeladen, die entsprechenden Kapitel in den Büchern zu Elderhood oder im erwähnten, spirituellen Buch zu lesen und zu kontemplieren.